Kunst-Auffassung
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Kunstphilosophie 1: Die menschliche Beziehung zu Natur und Kunst
Kunst, Natur und Ästhetik bilden ein Netzwerk spannender Beziehungen, das selbst einem großen Kunstwerk gleichkommt. Vom ästhetischen Ur-Potential der Natur selbst kann die Kunst als Menschenwerk nur profitieren. Zu beachten ist jedoch die Grundregel, wonach der ästhetische Genuß und die Wahrnehmung von Schönheit - im Reich der Natur wie auf dem Gebiet der Kunst - immer und in erster Linie eine Angelegenheit menschlicher Ur-Gefühle ist. Gefühle sind hier das Entscheidende, nicht rationale Analyse oder verstandesmäßige Begabung. Kunst und Natur in ihrem wesenhaften Potential der Schönheit richtig zu schätzen, ist also letztlich eine Fähigkeit, die alle Menschen eint! Jedoch hat sicher der den höheren Genuß, der gewohnt ist, die Gedanken kreisen zu lassen und ihnen ständig neue Pfade zu erschließen, so daß er tatsächlich auch mehr sehen kann. Das Reizvolle am Leben ist ja gerade, daß jeder einen anderen Zugang besitzt zu all dem, was objektiv da zu sein scheint. Der Streit um wirkliche Objektivität hingegen ist nutzlos und zum Menschsein gehört die grundlegende Erkenntnis, daß alles Sein Geheimnisse birgt wie der Mensch selbst. Es geht niemals darum, Recht zu haben. Es geht nicht darum, Fakten oder Absicht zu entdecken oder gar alles dem Zufall zuzuschreiben. Viel mehr handelt es sich allzumal in der Kunst um eine Wahrheit, die nur jeder für sich persönlich empfinden kann - mit allen Fähigkeiten seines Menschseins, aber auch mit aller Freiheit, sich eine eigene Meinung zu bilden. Die Frage ist nur, ob diejenigen, die sich vor der Fantasie willentlich verschließen oder denen schlicht die Fähigkeit verloren ging, Fantasie im Innersten auszuleben, eigentlich unfrei sind. Natur und Kunst sind Wege, um frei zu sein oder ein Stück Freiheit zu gewinnen.
Natur und Kunst sind Wege, um frei zu sein oder ein Stück Freiheit zu gewinnen.
Kunstphilosophie 2: Aufgaben und Möglichkeiten der Kunst
Zunächst ein paar Worte über die elementare Beziehung zwischen Kunst und Natur: Die Natur ist eine allumfassende Wirklichkeit, die mit dem Verstand allein nicht faßbar ist. Ein unübersehbares Merkmal ist zweifellos ihre Ästhetik, also eine Wirklichkeit, die vom Menschen ganz individuell auf der Gefühlsebene wahrgenommen wird. Das gewaltige Potential an Schönheit in allen Naturphänomenen kann uns verzaubern. Beispiele sind Regenbögen, Eiskristalle und Sonnenblumen. Alle Gestaltungen der Natur sind kleine Kunstwerke.
Und selbst im zerstörerischen Wesen, im Ausdruck der Urgewalten Sturm, Gewitter, Feuer und in Vulkanausbrüchen ist Schönheit enthalten. Es gehört zur Natur, der "da draußen" und unserer eigenen, daß wir emotional mit ihr in Beziehung treten können. Sie bietet ohne Zweifel in weitesten Bereichen Romantik pur. Aber ist die weit verbreitete Schönheit und ist unser Empfinden mehr als ein unbedeutendes Randphänomen? Kunst jedenfalls erfüllt im Kern zwei Hauptaufgaben: - Kunst spricht unsere Gefühle an und gibt uns geistige Anregung. Die Frage ist nur: Kann und soll der Künstler der Natur nacheifern und womöglich Schönheit zum Hauptziel machen? Oder soll er gnadenlos seine eigene Auffassung vertreten, unabänderlich und unbelehrbar, oder gar das schnulzenhaft Schöne in der verpönten Romantik mit tiefgrauen Farben und häßlichen Fratzen absichtlich verhöhnen? Ein Künstler mit hohem Anspruch an sein Wirken muß folgendes beachten:
1. Unsere immerwährende seelische Verbindung zum Naturganzen.
2. Das Naheliegende und Alltägliche, die Schönheit im Kleinen und Verborgenen.
3. Die Grundlagen unserer Wahrnehmung und unserer Auffassung von Wirklichkeit.
Es geht hier um das innerste Wissen über unsere eigene Natur und den Sinn in unserem Leben. Der Künstler von Format besitzt entweder Instinkt gepaart mit gesteigerter Wahrnehmungsfähigkeit oder einen profunden Schatz an Wissen und Lebenserfahrung. Außerordentliche Ausdruckskraft kann auf sein eigenes Leiden am Leben und die Tiefe seines Denkens in bezug auf die großen Lebensfragen hindeuten. Philosophie und Psychologie spielen grundsätzlich neben allem handwerklichen Geschick eine Hauptrolle in seiner Arbeit. Nur so kann er ein allgemeines Gefühl, das viele bewegt, treffsicher im Werk umsetzen. Und sei es nur eine gefühlte Wahrheit, so kreist letzlich alles um´s Hinterfragen menschlichen Handelns und Denkens. Die Natur in der üblichen Auffassung ist daher oft zum bloßen Hintergrund und Erfüllungsgehilfen degradiert.
Trotz aller notwendigen Kritik am menschlichen Tun, sollten in der Kunst jedoch zwei Bereiche nie in Vergessenheit geraten: Die Bedeutung von Schönheit im Naturganzen und das Ur-Phänomen der romantischen Stimmung im Menschsein. Die stärkste Verbindung zur Natur hat die Kunst doch immer dann, wenn sie nicht nur Sozialkritik übt, schockiert oder Sonderfälle skizziert, sondern die alltägliche Schönheit zum Thema macht. Wenn sie Muster erkennt, Sinn aufzeigt, wenn sie Hoffnung gibt, wenn sie über das Profane hinausreicht. Und das geschieht leider viel zu selten.

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