Natur-Philosophie
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Natur-Definition
Naturphilosophie, die menschliches Wissen auf eine sichere Basis stellen kann und die auch praxistauglich sein soll, muss von einer treffenden Natur-Definition ausgehen. Die übliche Deutung der Natur ist zwar im Standard-Lexikon zu finden, gibt aber keinerlei Antwort auf die Frage "Was ist die Natur?" Schlimmer noch: Ihr Wahrheitsgehalt ist dürftig und ihre Aussage sogar irreführend. Es wird nämlich einfach behauptet, die Natur sei das, was nicht vom Menschen gemacht ist! Schluss fertig!
Aber was ist der Mensch eigentlich? Steht er etwa völlig außerhalb der Natur oder gar im Gegensatz zu ihr, ähnlich wie die Kunst einen Gegenpol zur Natur zu bilden scheint? Weit davon entfernt, eine taugliche Antwort auf die Naturfrage zu geben, wird der Suchende mit einer Scheinerklärung konfrontiert, die noch dazu falsch ist. Hier wird eine Frage mit einer weiteren Frage "beantwortet" und das verblüffte Publikum lässt es sich gefallen. Jeder weiß doch, was ein Mensch ist! So findet sich die Volksmeinung schnell bestätigt und ist zufrieden.
Bei näherem Hinschauen wird aber klar, dass diese blanke s/w-Definition, die Natur bloß im Gegensatz zum Menschen sieht, eine leider weitverbreitete Primitivform von "Erklärung" ist, die mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Eine ernstzunehmende Natur-Definition, die positiv antwortet und substanziell zum Verständnis beiträgt, vielleicht sogar das Denken neu beflügeln kann, wäre zum Beispiel folgende:
Die Natur ist ein intensivst vernetzter, rhythmisch und gesetzmäßig ablaufender ewiger Weltprozess. Dieser Welt-Natur-Prozess ist zwar extrem stabil in der Gesamtheit, aber zumindest im Detail veränderbar, mithin ein ebenso dauerhafter wie flexibler Ablauf unendlichen Wandels, der prinzipiell auf Lebensentwicklung, Lebenserhaltung und im Einzelwesen auf Gesundheit ausgerichtet ist.
Natur ist ein hochkomplexes Thema. Kunst ist ein noch wesentlich gefährlicheres Gebiet, auf dem sich emotionsgeladen streiten lässt. Keiner kann "die (eine) Wahrheit" mit Pachtvertrag sichern und für sich allein in Anspruch nehmen. Doch das Bemühen um Wahrheit und Verständnis, das der Philosophie wie keiner anderen Disziplin menschlicher (Denk-)Tätigkeit zu eigen ist, muss auf eine möglichst weite Panorama-Sicht des gewählten Themas ausgerichtet sein. Hier können verschiedene Bodenschichten und Landschaftsformen ausgemacht werden und manche Wahrheit bleibt dicht an der Oberfläche. Andere Lehren driften nach oben ab und verflüchtigen sich in ätherische Höhen. Nur wenige schürfen wirklich tief und kommen sachgerecht und frei von Vorurteilen den eigentlich bedeutsamen Tatsachen und Zusammenhängen auf die Spur. Ganzheitliche Sicht ist die Voraussetzung, um zu dieser Kategorie von Wahrheit vorzudringen. Das Ergebnis ist eine Erkenntnis, die Ganzheit und somit höchstmögliche Wahrheit beanspruchen kann.
Naturphilosophie: Natur und Mensch
Der zentrale Punkt jeder Naturphilosophie betrifft das zwiespältige Verhältnis des Menschen zur Natur, die ihm sowohl feindlich als auch freundlich (z.B. als Ernährer oder in der angeborenen Heilkraft des Körpers) gegenübertritt. Ja, die Natur ist genau genommen gar kein lokalisierbares, abtrennbares "Gegenüber", sondern auf das innigste mit dem Menschen verknüpft, körperlich und seelisch.
Die Natur ist kein erklärbarer Mechanismus, sondern ein vernetztes System. In der Natur wie im menschlichen Körper greifen alle lebendigen und überdies die anorganischen Prozesse auf perfekte Weise ineinander. Die Prozesse sind außerordentlich vielschichtig. Oft handelt es sich um rhythmische Vorgänge und Kreisläufe. An jedem beliebigen "Punkt" und auf allen Ebenen sind komplizierte Rückkoppelungen im Spiel. Alle "Teile" beeinflussen sich gegenseitig. Aber wir kennen nicht alle diese Teile und Ebenen. Unser Wissen ist trotz aller Erkenntnisse äußerst lückenhaft.
Was wir wissen ist, dass die Naturprozesse sehr stabil sind gegenüber Störeinflüssen, aber nicht grenzenlos. Und dass andererseits zuweilen kleine und kleinste Ursachen ausreichen, um große Wirkungen hervorzurufen, im Guten wie im Schlechten! Das ökologische Gleichgewicht ist heute weltweit in allen wichtigen Bereichen, in der Luft, im Wasser und im Boden, in der gesamten lebenden Welt der Pflanzen und Tiere, stark gefährdet. Wir alle sind unentrinnbar Teil der Natur. Wir sind auf Gedeih und Verderb Bewohner des Systems Erde. Es gibt gar nicht die Natur „da draußen", sondern wir sind selbst „Natur"! Wir unterliegen einem schweren Irrtum, wenn wir uns, zum Beispiel aufgrund unserer Körperlichkeit, für isolierte Wesen halten.
Auch aufgrund seiner Kultur und Technik steht der Mensch nicht automatisch außerhalb der Naturganzheit. Das haben sich die meisten, trotz allgemein geschärften Umweltbewusstseins, noch nicht vollends klar gemacht. Allerdings befähigen und verpflichten uns die typisch menschlichen Begabungen - Geistigkeit und Emotionen - verantwortungsvoll zu handeln, so gut wir können. Der zweite folgenschwere Fehler, den die meisten begehen, besteht darin, sich für machtlos zu halten und die Emotionen auszublenden!
Richtig ist: Wir sind weder isoliert noch machtlos! Wir sollten vorsichtiger umgehen mit der Natur und mit uns selbst! Aber wir müssen den Hochmut aufgeben, alles verstehen und beherrschen zu können.
Das Wesen der Natur ist nichts Statisches und Bleibendes, sondern fortlaufende Bewegung und Veränderung. Dies ist zugleich das Wesen alles Lebendigen. Und dieses Naturgesetz, das die Möglichkeit zur Regeneration beinhaltet und die Gewissheit einer fortschreitenden Entwicklung gibt, macht auch Hoffnung. Der Mensch ist und bleibt ein integraler Teil der Natur. Nur wenn der Einzelne meint, das Naturgeschehen, aussterbende Arten, abgeholzte Wälder und klimatische Katastrophen gingen ihn nichts an, solange er nicht direkt betroffen ist, wirkt sein Denken und Handeln zerstörend. Und um es ganz deutlich zu sagen:
Das unterlassene Tun und das falsche Denken sind zerstörerisch! Wer diesen Zusammenhang ignoriert, zerstört die Umwelt und sich selbst.
Deshalb ist es so wichtig, sich eine gesunde „Haltung" zu erarbeiten, um nämlich nicht der Destruktion zu unterliegen, die den Menschen sowohl auf physischer als auch auf geistiger und seelischer Ebene bedroht! Leider denkt die Masse gewöhnlich fatalistisch und wird dadurch in hohem Grade manipulierbar. Keinem wird es gelingen sich aus allem rauszuhalten, auch wenn er Gleichgültigkeit vortäuscht. Die manische Jagd nach dem privaten kleinen Glück wird immer aussichtsloser, so dass jeder am Ende lernen muss, was den Sinn des Lebens ausmacht und was die Natur dabei bedeutet. Der Sinn ist Entwicklung, die jedoch nicht im Kampf, sondern nur in Kooperation positiv möglich ist. Beim Menschen ist es der bewusste Zusammenhalt und die gegenseitige Akzeptanz aller noch so gegensätzlich veranlagten, denkenden und glaubenden Individuen. Gerade die Ungleichheit ist ein wichtiges Element des Fortschritts, aber nur dann, wenn nicht alle unverrückbar in ihrer jeweiligen Weltanschauung beharren.

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